»Damals machte er sich keine Gedanken, nahm die Inferiorität der Erwachsenen einfach als Naturtatsache hin. Jetzt wird ihm bestätigt: unter den gegebenen Verhältnissen führt der Vollzug der bloßen Existenz bei Erhaltung einzelner Fertigkeiten, technischer oder intellektueller, schon im Mannesalter zum Kretinismus. Auch die Weltmännischen sind nicht ausgenommen. Es ist, als ob die Menschen zur Strafe dafür, daß sie die Hoffnungen ihrer Jugend verraten und sich in der Welt einleben, mit frühzeitigem Verfall geschlagen würden.«
Adorno/ Horkheimer: Dialektik der Aufklärung.
»Zweierlei Sorten linker Eltern gibt es hierzulande. Bei der einen gilt: Wenn es dir schon nicht gelingt, zu deinen Lebzeiten die Welt zu verbessern, verbessere an ihrer Statt deinen Nachwuchs. Mach aus ihm den Prototyp einer besseren Zukunft. Versuche, aus ihm schon im Kindesalter das altkluge, frustrierte, verkniffene Wesen zu verfertigen, das du selbst heute bist. Deine Kinder sollen schließlich einmal den Planeten retten. Damit sie frühzeitig lernen, wie das geht und wie ein moralisch einwandfreies Leben aussieht, werden sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit zuckerfreien Bio-Reiswaffeln vollgestopft und dazu genötigt, mit Fingerfarben Mandalas zu malen. Wer die von Selbstgerechtigkeit zerfressenen Gesichtszüge der Eltern und ihre erloschenen Zöglinge sieht, fragt sich sofort, wer die bemitleidenswerteren Geschöpfe sind, die verbiesterten Künast-Eltern oder ihre Zombiekinder.«
Die linke Brut.
Wir alle kennen Linke, die zu Eltern werden. Andersherum passiert es eher selten. Manche von uns sind sogar selbst das Eine oder das Andere – oder versuchen womöglich, beides zu sein. Hier einige Berichte.
von Regina Stötzel, Nicole Tomasek, Thomas Blum U. A.
Richtig wünschen ist die schwerste Kunst von allen, und sie wird uns seit der Kindheit abgewöhnt.