Posts tagged "Tod"

Hugo von Hofmannsthal / Erlebnis.

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  Mit silbergrauem Dufte war das Tal
  Der Dämmerung erfüllt, wie wenn der Mond
  Durch Wolken sickert. Doch es war nicht Nacht.
  Mit silbergrauem Duft des dunklen Tales
  Verschwammen meine dämmernden Gedanken
  Und still versank ich in dem webenden
  Durchsicht’gen Meere und verließ das Leben.
  Wie wunderbare Blumen waren da
  Mit Kelchen dunkelglühend! Pflanzendickicht,
  Durch das ein gelbrot Licht wie von Topasen
  In warmen Strömen drang und glomm. Das Ganze
  War angefüllt mit einem tiefen Schwellen
  Schwermütiger Musik. Und dieses wußt ich,
  Obgleich ich’s nicht begreife, doch ich wußt es:
  Das ist der Tod. Der ist Musik geworden,
  Gewaltig sehnend, süß und dunkelglühend,
  Verwandt der tiefsten Schwermut.
   Aber seltsam!
  Ein namenloses Heimweh weinte lautlos
  In meiner Seele nach dem Leben, weinte
  Wie einer weint, wenn er auf großem Seeschiff
  Mit gelben Riesensegeln gegen Abend
  Auf dunkelblauem Wasser an der Stadt,
  Der Vaterstadt, vorüberfährt. Da sieht er
  Die Gassen, hört die Brunnen rauschen, riecht
  Den Duft der Fliederbüsche, sieht sich selber,
  Ein Kind, am Ufer stehn, mit Kindesaugen,
  Die ängstlich sind und weinen wollen, sieht
  Durchs offne Fenster Licht in seinem Zimmer –
  Das große Seeschiff aber trägt ihn weiter
  Auf dunkelblauem Wasser lautlos gleitend
  Mit gelben fremdgeformten Riesensegeln.

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»Was allen Gefühlen widerfährt, die Ächtung dessen, was keinen Marktwert hat, widerfährt am schroffsten dem, woraus nicht einmal die psychologische Wiederherstellung der Arbeitskraft zu ziehen ist, der Trauer. Sie wird zum Wundmal der Zivilisation, zur asozialen Sentimentalität, die verrät, daß es immer noch nicht ganz gelungen ist, die Menschen aufs Reich der Zwecke zu vereidigen. Darum wird Trauer mehr als alles andere verschandelt, bewußt zur gesellschaftlichen Formalität gemacht, welche die schöne Leiche den Verhärteten weithin schon immer war. Im funeral home und Krematorium, wo der Tote zur transportablen Asche, zum lästigenEigentum verarbeitet wird, ist es in der Tat unzeitgemäß, sich gehen zu lassen, und jenes Mädchen, das stolz das Begräbnis erster Klasse der Großmutter beschrieb und hinzufügte: »a pity that daddy lost control«, weil dieser ein paar Tränen vergoß, drückt genau die Sachlage aus. In Wahrheit wird den Toten angetan, was den alten Juden als ärgster Fluch galt: nicht gedacht soll deiner werden. An den Toten lassen die Menschen die Verzweiflung darüber aus, daß sie ihrer selber nicht mehr gedenken.«

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Adorno & Horkheimer / Dialektik der Aufklärung: Zur Theorie der Gespenster.

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Patti Labell & Moby / One Of These Mornings.


Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Lidern.

Rilke.


Memento

Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang,
nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr -
und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: Den eignen Tod, den stirbt man nur;
doch mit dem Tod der anderen muss man leben.

Mascha Kaleko.


Es schneit, schneit, was vom Himmel herunter mag, und es mag Erkleckliches herunter: Das hört nicht auf, hat nicht Anfang und nicht Ende. Einen Himmel gibt es nicht mehr, alles ist ein graues weißes Schneien. Eine Luft gibt es auch nicht mehr; sie ist mit Schnee und wieder mit Schnee zugedeckt. (…) Alle Tannenäste sind voll Schnee, beugen sich unter der dicken weißen Last tief zur Erde herab, versperren den Weg. Den Weg? Als wenn es noch einen Weg gäbe! Man geht so, und indem man geht, hofft man, daß man auf dem rechten Weg sei…
Robert Walser, Heimkehr im Schnee, 1917.

Es schneit, schneit, was vom Himmel herunter mag, und es mag Erkleckliches herunter: Das hört nicht auf, hat nicht Anfang und nicht Ende. Einen Himmel gibt es nicht mehr, alles ist ein graues weißes Schneien. Eine Luft gibt es auch nicht mehr; sie ist mit Schnee und wieder mit Schnee zugedeckt. (…) Alle Tannenäste sind voll Schnee, beugen sich unter der dicken weißen Last tief zur Erde herab, versperren den Weg. Den Weg? Als wenn es noch einen Weg gäbe! Man geht so, und indem man geht, hofft man, daß man auf dem rechten Weg sei…

Robert Walser, Heimkehr im Schnee, 1917.


 Es schwingt […] in der Vorstellung des Glücks unveräußerlich die der Erlösung mit. Mit der Vorstellung von Vergangenheit, welche die Geschichte zu ihrer Sache macht, verhält es sich ebenso. Die Vergangenheit führt einen heimlichen Index mit, durch den sie auf die Erlösung verwiesen wird. Streift denn nicht uns selber ein Hauch der Luft, die um die Früheren gewesen ist? Ist nicht in Stimmen, denen wir unser Ohr schenken, ein Echo von nun verstummten? Haben die Frauen, die wir umwerben, nicht Schwestern, die sie nicht mehr gekannt haben? Ist dem so, dann besteht eine geheime Verabredung zwischen den gewesenen Geschlechtern und unserem. Dann sind wir auf der Erde erwartet worden. Dann ist uns wie jedem Geschlecht, das vor uns war, eine schwache messianische Kraft mitgegeben, an welche die Vergangenheit Anspruch hat. Billig ist dieser Anspruch nicht abzufertigen. Der historische Materialist weiß darum.

Walter Benjamin


Das unabweisbare Gefühl für die substantielle Identität alles Lebendigen, erst recht aber der Menschen, läßt uns die Erniedrigung und die Qual der andern auch dann als die eigenen empfinden, wenn unser eigenes Individuum durch günstige Umstände oder durch die eigene Schlauheit der Hölle vorerst entkommen ist… Das Frohlocken, daß wir der Hölle gerade noch entwischt sind, die nun bloß andere Kreaturen umschließt, vermag die Ahnung nicht zu ersticken, daß diese Teilung oberflächlich, scheinhaft, vorläufig ist. Die Realität ist das von den andern konsumierte Leiden. Unser Glück aber ist eben deshalb nur eingebildet, auch dann, wenn wir glücklich sterben sollten.
Max Horkheimer: Brief vom 12.4.1938 (zitiert nach: Carl Wiemer: Krankheit und Kriminalität. Die Ärzte- und Medizinkritik der kritischen Theorie. Freiburg 2001, S. 9)

there is place in hell
reserved for me and my friends
..when we have a bit more time..

THE GRAVE OF SHELLEY

Like burnt-out torches by a sick man’s bed
Gaunt cypress-trees stand round the sun-bleached stone;
Here doth the little night-owl make her throne,
And the slight lizard show his jewelled head.
And, where the chaliced poppies flame to red,
In the still chamber of yon pyramid
Surely some Old-World Sphinx lurks darkly hid,
Grim warder of this pleasaunce of the dead.

Ah! sweet indeed to rest within the womb
Of Earth, great mother of eternal sleep,
But sweeter far for thee a restless tomb
In the blue cavern of an echoing deep,
Or where the tall ships founder in the gloom
Against the rocks of some wave-shattered steep.

Oscar Wilde: Poems (1881).




Unter wirklich menschlichen Daseinsbedingungen könnte der Unterschied zwischen einem Tod durch Krankheit mit zehn, dreißig, fünfzig oder siebzig Jahren oder einem “natürlichen” Ende nach einem erfüllten Leben wirklich ein Unterschied sein, der einen Kampf mit aller Triebenergie lohnte. Nicht die, die sterben, stellen die große Anklage gegen unsere Kultur dar, aber die, die sterben, ehe sie müssen und wollen, die, die in Todesqual und Schmerz starben. Sie sind auch die Zeugen für die untilgbare Schuld der Menschheit. Ihr Tod erweckt das schmerzliche Bewußtsein, daß er unnötig war, daß es anders hätte sein können.
Herbert Marcuse.

Team DreschDon’t Try Suicide.

I’m scared to leave the house/ I’m scared to go to sleep/ and when I do/ I wake up feeling scared./ My girlfriend cuddles me/ and holds me when I cry/ I tell her that I’m scared/ ask if she thinks I’ll die/ she tells me I’m OK./ I don’t believe her/ but it makes me feel better anyway./ Can’t get myself to eat,/ trick myself and watch TV./ Even when it works/ I end up puking scared./ My girlfriend cuddles me/ and holds me when I cry/ I tell her that I’m scared/ She says that I won’t die,/ she tells me I’m OK/ I don’t believe her but it makes me feel better anyways.

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