Gleichzeitig wird kritisch geäußert, daß die Versuchsbedingungen ungünstig sind. Solch ein Versuch müsse im Palmenwald erfolgen.
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Gleichzeitig wird kritisch geäußert, daß die Versuchsbedingungen ungünstig sind. Solch ein Versuch müsse im Palmenwald erfolgen.
Wird im Spätkapitalismus überhaupt noch Neues hervorgebracht, das einer so behaupteten Analyse würdig wäre? Selbstverständlich geht es nicht um Würde, doch halte ich ich das Wort aus der Dialektik der Aufklärung entscheidend und keine Theorie der Armut kommt umhin, festzuhalten:
„Kultur heute schlägt alles mit Ähnlichkeit“
War das materielle und ideelle Klima zu Benjamins Stunde wesentlich anders? Wo ist der Sürrealismus “unserer Zeit”? Oder gar Tumblr als ein Medium der bad new ones? Zitieren alleine macht nicht den Weg zum Kommunismus und die Erfahrungsarmut des Kollektiv ist eher selbstbezeichnend als großes Sprungbrett.

“A Klee painting named Angelus Novus shows an angel looking as though he is about to move away from something he is fixedly contemplating. His eyes are staring, his mouth is open, his wings are spread. This is how one pictures the angel of history. His face is turned toward the past. Where we perceive a chain of events, he sees one single catastrophe which keeps piling wreckage upon wreckage and hurls it in front of his feet. The angel would like to stay, awaken the dead, and make whole what has been smashed. But a storm is blowing from Paradise; it has got caught in his wings with such violence that the angel can no longer close them. The storm irresistibly propels him into the future to which his back is turned, while the pile of debris before him grows skyward. This storm is what we call progress.”
Walter Benjamin in his essay “Theses on the Philosophy of History” on Paul Klee’s 1920 painting Angelus Novus
The nature of this melancholy becomes clearer, once one asks the question, with whom does the historical writer of historicism actually empathize. The answer is irrefutably with the victor. Those who currently rule are however the heirs of all those who have ever been victorious. Empathy with the victors thus comes to benefit the current rulers every time.
- Walter Benjamin
Gewinnen und verlieren sind nicht die Kategorien des Weltgeists. Ob jeder Augenblick seine revolutionäre Chance mit sich trägt; vermutlich stimmt das, doch was hat das schon zu bedeuten. Kein bloßes Warten auf Messias, Geschichte, Fortschritt jedenfalls. Kein bloßes Werkeln zugleich.
Revolutionen sind der Griff nach der Notbremse? Der unaufhaltsame, auf Trümmern und immer mehr Trümmern sich vollziehende Fortschritt ist demnach nicht die revolutionäre, voranpreschende Lokomotive, sondern müsste sein, die Beendigung des Entfaltungsdrucks, des Maximierungszwangs. Ein Stopp der Leichenberge; zu sich selbst gekommene Geschichtsphilosophie, die das Siegergeschreibsel endlich ablöst. Der paradiesische Sturm ist ausgeblasen - sobald die Religion Kapitalismus überwunden werden konnte.
Später aber wird dies überblickt werden..
Brecht notierte nach der Lektüre: „Man denkt mit Schrecken daran, wie klein die Anzahl derer ist, die bereit sind, so was wenigstens misszuverstehen.“
Walter Benjamin Einbahnstraße.
Bereits ein Anflug an Untergangssehnsucht?
let me never be complete.
(wie sehr sich doch die erfahrungsarmen danach sehnen, dass ihnen jemand die welt erklärt..)
Hermann Lotze (* 21. Mai 1817 in Bautzen; † 1. Juli 1881 in Berlin), der da meint:
Zu den bemerkenswerthesten Eigenthümlichkeiten des menschlichen Gemüths gehört … neben so vieler Selbstsucht im Einzelnen die allgemeine Neidlosigkeit jeder Gegenwart gegen ihre Zukunft.
Zitiert nach Walter Benjamin, Über den Begriff der Geschichte, den diese Reflexion darauf führt, daß das Bild von Glück, das wir hegen, durch und durch von der Zeit tingiert ist, in welche der Verlauf unseres eigenen Daseins uns nun einmal verwiesen hat. Glück, das Neid in uns erwecken könnte, gibt es nur in der Luft, die wir geatmet haben, mit Menschen, zu denen wir hätten reden, mit Frauen, die sich uns hätten geben können. Es schwingt, mit anderen Worten, in der Vorstellung des Glücks unveräußerlich die der Erlösung mit.
W. Benjamins Geschichtsthesen drängen sich wieder auf: ”..die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen.”
»Zu den bemerkenswerthesten Eigenthümlichkeiten des menschlichen Gemüths«, sagt Lotze, »gehört - neben so vieler Selbstsucht im Einzelnen die allgemeine Neidlosigkeit jeder Gegenwart gegen ihre Zukunft.« Diese Reflexion führt darauf, daß das Bild von Glück, das wir hegen, durch und durch von der Zeit tingiert ist, in welche der Verlauf unseres eigenen Daseins uns nun einmal verwiesen hat. Glück, das Neid in uns erwecken könnte, gibt es nur in der Luft, die wir geatmet haben, mit Menschen, zu denen wir hätten reden, mit Frauen, die sich uns hätten geben können. Es schwingt, mit andern Worten, in der Vorstellung des Glücks unveräußerlich die der Erlösung mit. Mit der Vorstellung von Vergangenheit, welche die Geschichte zu ihrer Sache macht, verhält es sich ebenso. Die Vergangenheit führt einen heimlichen Index mit, durch den sie auf die Erlösung verwiesen wird. Streift denn nicht uns selber ein Hauch der Luft, die um die Früheren gewesen ist? ist nicht in Stimmen, denen wir unser Ohr schenken, ein Echo von nun verstummten? haben die Frauen, die wir umwerben, nicht Schwestern, die sie nicht mehr gekannt haben? Ist dem so, dann besteht eine geheime Verabredung zwischen den gewesenen Geschlechtern und unserem. Dann sind wir auf der Erde erwartet worden. Dann ist uns wie jedem Geschlecht, das vor uns war, eine schwache messianische Kraft mitgegeben, an welche die Vergangenheit Anspruch hat. Billig ist dieser Anspruch nicht abzufertigen. Der historische Materialist weiß darum.
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Das wahre Bild der Vergangenheit huscht vorbei. Nur als Bild, das auf Nimmerwiedersehen im Augenblick seiner Erkennbarkeit eben aufblitzt, ist die Vergangenheit festzuhalten. ´Die Wahrheit wird uns nicht davonlaufen´ - dieses Wort, das von Gottfried Keller stammt, bezeichnet im Geschichtsbild des Historismus genau die Stelle, an der es vom historischen Materialismus durchschlagen wird. Denn es ist ein unwiederbringliches Bild der Vergangenheit, das mit jeder Gegenwart zu verschwinden droht, die sich nicht als in ihm gemeint erkannte.
Joseph Roth: Die Kapuzinergruft. S. 46.
Was hat uns der katholische Monarchist, der seine Pariser Exilszeit in den 30er Jahren mit systematischem sich zu Tode Saufen zubrachte, heute mitzuteilen? Sicherlich mehr als “rückwärtsgewandte Utopien” oder Trinker-Melancholie, wie die in der Legende vom heiligen Trinker formulierte Sehnsucht: Gebe Gott uns allen, uns Trinkern, einen so leichten und so schönen Tod! Im Roman verliert sich die Mitteilbarkeit der Erfahrung und seine Geburtskammer ist das Individuum in seiner Einsamkeit, das sich über seine wichtigsten Anliegen nicht mehr exemplarisch auszusprechen vermag, selbst unberaten ist und keinen Rat geben kann. Und einen Roman schreiben heißt, in der Darstellung des menschlichen Lebens das Inkommensurable auf die Spitze treiben. Mitten in der Fülle des Lebens und durch die Darstellung dieser Fülle bekundet der Roman die tiefe Ratlosigkeit des Lebenden (Walter Benjamin). Nichts mehr an Erfahrung weitergeben zu können, in seiner Rat- und Sinnlosigkeit zu bestehen und fortzubestehen, ist eine Kritik an bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen, wie sie in ihrer Schärfe kaum mehr zu überbieten ist. Es wird bei vorbildlichem Gebrauch dieses Mediums das Unbehagen zur Reflexion gedrängt. Oder es bleibt einfach bei Rat- und Sinnlosigkeit und alles beim Alten.
Nach der Lektüre des Walter Benjamin..
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“Im Café, beim Aperitif kam das Füllwerk der Information zustande.”
… Walter Benjamin / Die Bohème.
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brecht und benjamin.
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Dies erscheint mir im Augenblick als der zentrale Punkt bei Benjamin, die tatsächliche Quintessenz seinen Philosophie des Flaneurs.
Bei der kollektiven - und rauschhaften - Erfahrungssuche und Zusammenkunft der sich im Zustand der Erfahrungslosigkeit Befindlichen entfaltet sich die Dialektik der Information (vergleiche / Der Erzähler), die ihr verderbliches wie potentiell fortzuführendes Moment in sich trägt.
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Dazu weitere wichtige Lektüre: / Erfahrung und Armut und die Rauschberichte / Über Haschisch.
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