Stellen wir uns endlich, zur Abwechslung, einen Verein freier Menschen vor […].
Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. MEW 23, Band I, S. 92.
Zur Vermeidung möglicher Mißverständnisse ein Wort. Die Gestalten von Kapitalist und Grundeigentümer zeichne ich keinesweges in rosigem Licht. Aber es handelt sich hier um die Personen nur, soweit sie die Personifikation ökonomischer Kategorien sind, Träger von bestimmten Klassenverhältnissen und Interessen. Weniger als jeder andere kann mein Standpunkt, der die Entwicklung der ökonomischen Gesellschaftsformation als einen naturgeschichtlichen Prozeß auffaßt, den einzelnen verantwortlich machen für Verhältnisse, deren Geschöpf er sozial bleibt, so sehr er sich auch subjektiv über sie erheben mag.
Karl Marx: Das Kapital (Vorwort zur ersten Auflage) London, 25.Juli 1867
“Selbst an den Universitäten lächelt jeder Juniorprofessor wie Robin Williams und strukturkonservative Dozenten werden von Bachelorstudenten gefragt, warum man denn keine Gruppenarbeit macht. Der Individualforscher, der alleine über seinen Büchern arbeitet, ist ersetzt worden durch den Motivationstrainer, für den noch die verbindlichste Erkenntis ein Ereignis ist und der den Examenskandidaten, deren Anzahl ein Kriterium für seine Evaluation ist, die Wahrheit aufschwatzen muss wie ein Fokusabonnement.”
Der Veranstaltungsmitschnitt von “Die Bildung als Widersacher des Geistes” mit Magnus Klaue ist nun endlich online.
dazu auch:
Protektion und Protest
Die „offene Universität“ als Wunschbild und Albtraum
Auch die blinde Angst vor der Zukunft, die nichts anderes ist als ein Reflex auf die ökonomische Krise, dient dazu, das Unglück erst vollkommen zu machen, vor dem sie angeblich warnen will. Von der einen mystischen, unerschöpflichen großen Zukunftsangst werden dann die vielen kleinen Ängste abgezweigt, welche die Bürger in gefährliche Angstbeißer verwandeln, die unter dem Vorwand, die Ausländer, die Fremden, die Schwarzen, die Gelben, die Roten zu fürchten, nur ihre finstre Entschlossenheit kaschieren, all diesen Personen wie gehabt bei nächstbester Gelegenheit den Hals umzudrehen.
Wolfgang Pohrt - Gewalt und Politik, 230
(Quelle: junesixon)
»Die Vorstellung vom Klassenkampf kann irreführen. Es handelt sich in ihm nicht um eine Kraftprobe, in der die Frage: wer siegt, wer unterliegt? entscheiden würde, nicht um ein Ringen, nach dessen Ausgang es dem Sieger gut, dem Unterlegenen aber schlecht gehen wird. So denken, heißt die Fakten romantisch vertuschen. Denn mag die Bourgeoisie im Kampfe siegen oder unterliegen, sie bleibt zum Untergang durch die inneren Widersprüche, die ihr im Laufe der Entwicklung tödlich werden, verurteilt. Die Frage ist nur, ob sie an sich selber oder durch das Proletariat zugrunde geht. Bestand oder das Ende einer dreitausendjährigen Kulturentwicklung werden durch die Antwort darauf entschieden. Geschichte weiß nichts von der schlechten Unendlichkeit im Bilde der beiden ewige ringenden Kämpfer. Nur in Terminen rechnet der wahre Politiker. Und ist die Abschaffung der Bourgeoisie nicht bis zu einem fast berechenbaren Augenblick der wirtschaftlichen und technischen Entwicklung vollzogen (Inflation und Gaskrieg signalisieren ihn), so ist alles verloren. Bevor der Funke an das Dynamit kommt, muss die brennende Zündschnur durchschnitten werden. Eingriff, Gefahr und Tempo des Politikers sind technisch - nicht ritterlich.«
Walter Benjamin Einbahnstraße.
Bereits ein Anflug an Untergangssehnsucht?
»Ist die Konstruktion der Zukunft und das Fertigwerden für alle Zeiten nicht unsere Sache, so ist desto gewisser, was wir gegenwärtig zu vollbringen haben, ich meine die rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinne, daß die Kritik sich nicht vor ihren Resultaten fürchtet und ebensowenig vor dem Konflikte mit den vorhandenen Mächten.«
Karl Marx